Gastbeitrag

Wenn das Telefon verstummt: Krisenkommunikation mit innovaphone in polnischen Krankenhäusern und Behörden

Miron Kozłowski | 13.10.2026 | Lesezeit: 4 Min.

Das Telefon ist das Letzte, woran wir bei einem Notfall- oder Business-Continuity-Plan denken – und oft das Erste, was ausfällt, wenn etwas schiefgeht. Dafür braucht es weder Krieg noch Hacker. Ein Hochwasser, ein Stromausfall, ein Brand im Serverraum oder ein durchtrenntes Kabel des Netzbetreibers reichen aus. Polen gehört inzwischen zu den am häufigsten angegriffenen Ländern Europas. Hinzu kommen Ransomware-Angriffe und DDoS-Attacken.

Hier einige Fälle aus den vergangenen Jahren, in denen in Polen ausgerechnet die Telefonkommunikation ausgefallen ist.

 

1. Ransomware: Wenn die IT ausfällt, fällt auch die Telefonanlage aus

  • Gemeinde Obrazów, Woiwodschaft Heiligkreuz (Februar 2026): Am 9. Februar verschlüsselte eine Ransomware-Attacke die Server der Gemeindeverwaltung. Die Telefonie der Gemeinde konnte erst am 17. Februar – nach acht Tagen – wiederhergestellt werden. In dieser Zeit riefen Betrüger Bürger an und schrieben ihnen Nachrichten, wobei sie sich als Mitarbeiter der Verwaltung ausgaben und zu Überweisungen aufforderten. Den Einwohnern fehlte die Möglichkeit, bei der Verwaltung anzurufen und zu überprüfen, ob die Aufforderungen tatsächlich von dort stammten.

  • Woiwodschaftskrankenhaus in Stettin (März 2026): Nach dem Angriff vom 7. und 8. März konnte die telefonische Anmeldung bei den Ambulanzen erst am 3. April wiederhergestellt werden – fast vier Wochen später. Selbst danach mussten Patienten lange auf einen Gesprächspartner warten, da andere Anmeldewege weiterhin nicht funktionierten.

 

2. DDoS: Eine Leitung überlasten, damit niemand mehr durchkommt

In den Jahren 2025 und 2026 traf eine Welle von DDoS-Angriffen mit Lösegeldforderungen mindestens 17 lokale Internetanbieter. Branchenangaben zufolge waren darüber hinaus Dutzende weitere Anbieter betroffen. Der Höhepunkt wurde im Sommer 2026 erreicht, als mehrere Angriffe pro Tag registriert wurden. Während der Angriffe verloren Kunden sowohl den Internetzugang als auch ihre Telefonverbindungen. Für viele Gemeinden, Schulen und Arztpraxen ist der lokale Internetanbieter der einzige Anbieter für die Netzanbindung. Wird dieser angegriffen, kann damit die gesamte Telefonkommunikation einer Einrichtung zum Erliegen kommen.

3. Hochwasser, Stromausfall und beschädigte Infrastruktur der Netzbetreiber

Im September 2024, während des Hochwassers, fielen in der Region des Glatzer Kessels die Telefonverbindungen teilweise vollständig aus. Allein im Orange-Netz waren in den überfluteten Gebieten 36 von rund 500 Mobilfunk-Basisstationen außer Betrieb. Ursache waren Stromausfälle und überflutete Technik. Techniker konnten die betroffenen Standorte aufgrund zerstörter Straßen nicht erreichen; die Netzbetreiber mussten Notstromaggregate einsetzen. In Stronie Śląskie und Polanica-Zdrój (im Südwesten Polens) fiel zudem angemietete externe Infrastruktur aus, von der das Netz von Plus abhängig war. Einwohner, Kommunalverwaltungen und Einsatzkräfte konnten über Stunden nicht telefonieren – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als funktionierende Kommunikation besonders wichtig war.

4. Eine ganz normale Störung – mit ungewöhnlichen Folgen

Im September 2026 begann die Telefonanlage des Woiwodschafts-Fachkrankenhauses in Chełm, nur noch eingeschränkt zu funktionieren. Ein Teil der Anrufe konnte nicht mehr aufgebaut werden. Das Krankenhaus musste deshalb Ersatznummern für die Notaufnahme und das Sekretariat einrichten. Auch dafür waren weder Hacker noch eine Naturkatastrophe erforderlich.

Szenarien, auf die man vorbereitet sein sollte

Zu diesen konkreten Fällen kommen Risiken hinzu, die in praktisch jeder Einrichtung realistisch sind. Serverräume in Kellergeschossen von Krankenhäusern und Behörden sind nach wie vor keine Seltenheit. Ein geplatztes Rohr, ausgelöste Sprinkleranlagen oder Starkregen können die Telefonanlage gemeinsam mit der übrigen IT unter Wasser setzen. Ein Brand in einem einzigen Serverraum kann sämtliche dort betriebenen Systeme außer Betrieb nehmen. Ein mehrstündiger Stromausfall kann die Batteriekapazität von USV-Anlagen erschöpfen. Und ein Bagger auf einer Baustelle kann das Glasfaserkabel durchtrennen, auf dem die gesamte Telefonie einer Behörde basiert.

Der gemeinsame Nenner

In all diesen Fällen gibt es einen Single Point of Failure: einen einzigen Serverraum, eine einzige Netzwerkverbindung, einen einzigen Netzbetreiber, eine einzige Stromversorgung – oder eine Telefonanlage, die lediglich als weitere virtuelle Maschine auf denselben Servern, in derselben Domäne und mit denselben Schwachstellen wie die übrige IT betrieben wird.

Die innovaphone-„Black Box“: Eine Telefonanlage, die kein weiterer Server ist

Viele moderne IP-Telefonanlagen sind letztlich Softwarelösungen, die auf einem Windows- oder Linux-Server laufen – häufig sogar innerhalb derselben Virtualisierungsumgebung wie das Krankenhausinformationssystem (HIS), E-Mail- und Dateisysteme. Wird diese Serverinfrastruktur durch Ransomware verschlüsselt, fällt auch die Telefonanlage aus. Die Telefonanlage kann auf einem dedizierten Hardware-System betrieben werden – einer Art „Black Box“, deren zentrale Aufgabe darin besteht, die Kommunikation sicherzustellen.

Was bedeutet das im Krisenfall?

  • Eigenes Betriebssystem ohne Komponenten von Drittanbietern: Das System läuft weder unter Windows noch auf einer beliebigen Kombination frei verfügbarer Softwarekomponenten. Es ist nicht Teil der Windows-Domäne und teilt nicht zwangsläufig dieselben Abhängigkeiten und Angriffsflächen mit der übrigen IT-Infrastruktur. Ein Angriff, der – wie in Obrazów oder Stettin – Server verschlüsselt, hat damit nicht automatisch Zugriff auf die Telefonanlage.

  • Alles in einem Gerät: Telefonanlage, Gateway zum Netz des Providers (SIP, bei einigen Modellen auch ISDN) und Plattform sind in einem kompakten Gerät integriert. Das Modell IP811 unterstützt beispielsweise bis zu 200 Benutzer, das Modell IP0013 bis zu 1.000 – ohne zusätzlichen Server.

  • Keine beweglichen Teile: Die Geräte kommen ohne Lüfter und Festplatten mit rotierenden Scheiben aus und nutzen SSD-Speicher. Damit gibt es weniger Komponenten, die ausfallen, überhitzen oder in einem staubigen Serverraum verschmutzen können.

  • Sehr geringer Stromverbrauch: Nach Herstellerangaben benötigt eine Telefonanlage für 150 Nebenstellen rund 5 Watt. Das Modell IP0013 kann über PoE+ mit Strom versorgt werden – also über einen Netzwerk-Switch, der seinerseits an eine USV angeschlossen ist. Während ein herkömmlicher Server die Batteriereserve einer USV möglicherweise innerhalb weniger Minuten aufbraucht, kann eine solche kompakte Plattform über Stunden weiterarbeiten.

  • Mehrere Geräte an unterschiedlichen Standorten: Die Systeme können als autonome Plattformen in einer Master-Slave-Konfiguration an verschiedenen Standorten betrieben werden – beispielsweise im Hauptgebäude eines Krankenhauses und in einer Außenstelle oder in einer Gemeindeverwaltung und einem Feuerwehrhaus. Fällt ein Serverraum durch Brand oder Überflutung aus, bleibt die Telefonie an den anderen Standorten verfügbar.

  • Mehrere Wege nach außen: Verbindungen können über Ethernet, LTE/4G/5G, Satellit oder über das in Polen für die Energieversorgung aufgebaute 450-MHz-Netz erfolgen. Fällt die Verbindung des lokalen Providers aus – etwa infolge eines DDoS-Angriffs – oder sind Mobilfunk-Basisstationen wie im Glatzer Kessel betroffen, steht eine alternative Kommunikationsroute zur Verfügung. Die interne Kommunikation funktioniert sogar vollständig unabhängig von einem externen Netzbetreiber.

  • Vollständige Autonomie: Das System arbeitet lokal und ist nicht von einer Cloud oder externen Servern abhängig. Die Verbindung zu anderen Telefonanlagen kann beispielsweise über SIP-Föderation oder H.323 erfolgen.

  • Integrierte Sicherheitsfunktionen: Dazu gehören ein Session Border Controller an der Schnittstelle zum externen Netzwerk, Reverse Proxy, Schutz vor Brute-Force-Angriffen, verschlüsselte Kommunikation und Zwei-Faktor-Authentifizierung. Der Hersteller verfügt über eine ISO-27001-Zertifizierung. Die Lösung unterstützt zudem Anforderungen im Zusammenhang mit der DSGVO und NIS2 beziehungsweise der novellierten polnischen Gesetzgebung zum nationalen Cybersicherheitssystem. Hardware und Software stammen vollständig aus der EU und von einem einzigen Hersteller.

Die „Black Box“ auf Rädern

Dasselbe Konzept hat innovaphone auch in einem mobilen Notfallkoffer umgesetzt. Dabei handelt es sich um ein mobiles 19-Zoll-Rack mit Telefonanlage, Switch, USV, DECT-Antennen, Telefonen und Laptop. Die DECT-Antennen bieten eine Reichweite von etwa 300 Metern pro Antenne. Das komplette System benötigt rund 50 Watt und kann daher über ein Notstromaggregat, eine Autobatterie oder Solarpanels betrieben werden. Der Koffer kann beispielsweise zu einem Krisenstab einer Gemeinde, in eine Notaufnahme oder in eine Schule gebracht werden, die als Evakuierungszentrum dient. Die Telefone können dort unmittelbar verteilt und in Betrieb genommen werden.

Notfallkoffer Blog

Wo ist das in Polen sinnvoll?

  • Krankenhäuser: Interne Telefonie, DECT für das Personal und eine separate Lösung für die telefonische Patientenanmeldung – unabhängig vom HIS, von der Windows-Domäne und vom Serverraum im Keller.

  • Gemeinden und Landkreise: Eine funktionierende Rufnummer der Verwaltung, unter der Bürger zurückrufen und überprüfen können, ob eine Kontaktaufnahme tatsächlich von der Behörde stammt. Zusätzlich kann der Notfallkoffer während eines Hochwassers im Krisenmanagementzentrum eingesetzt werden.

  • Wasserwerke, Energie- und Wärmeversorger: Eine unabhängige Leitstellenkommunikation, die nicht auf das öffentliche Mobilfunknetz oder die zentralen IT-Server angewiesen ist.

  • Schulen: Telefone und Intercom-Systeme, die auch bei einem Ausfall der regulären Stromversorgung weiter funktionieren können.

Zum Schluss

Obrazów, Stettin, der Glatzer Kessel und Chełm zeigen, dass die Telefonkommunikation aus sehr unterschiedlichen Gründen ausfallen kann. Die Folgen sind jedoch ähnlich: Menschen können nicht miteinander kommunizieren – genau dann, wenn Kommunikation besonders wichtig ist.

Eine kleine, energieeffiziente „Black Box“, die unabhängig von der übrigen IT-Infrastruktur arbeitet und auf mehrere Standorte verteilt werden kann, ist ein vergleichsweise einfacher Ansatz, um dieses Risiko zu reduzieren.

Am besten wird eine solche Lösung implementiert, bevor sie benötigt wird.

Möchten Sie prüfen, wie sich die Kommunikation in Ihrer Einrichtung auch im Krisenfall absichern lässt? Kontaktieren Sie uns. Wir erstellen für Sie eine Analyse der bestehenden Infrastruktur und entwickeln ein passendes Lösungskonzept.

Miron Kozłowski

                                                                                               www.teleelektronika.pl

Telekommunikationssystemingenieur, Cybersecurity-Architekt, Implementierungsspezialist, Auditor und Hochschuldozent. Seit 35 Jahren leitet er das Unternehmen TELEELEKTRONIKA.pl, dessen Tradition in der Telekommunikationsbranche bis in die 1970er-Jahre zurückreicht.

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Quellenangaben